Ida Kammerloch | ebayAesthetics29,82m

09.05.2020 – 02.08.2020

IDA KAMMERLOCH | ebayAesthetiks29,82m

09.05.2020 – 02.08.2020

Als Quelle für Materialien und Beobachtungen spielt Ebay eine wesentliche Rolle in Ida Kammerlochs Arbeiten. Das regelmäßige Durchfilzen der Handelsplattform nach Suchbegriffen, wie beispielsweise KonvolutAktfoto oder haunted bildet einen festen Bestandteil innerhalb ihrer künstlerischen Praxis. Auf der Suche nach Artefakten scannt die Künstlerin große Mengen sich permanent erneuernder Suchergebnisse und kategorisiert das gesammelte Bildmaterial in unterschiedliche Bildgruppen.

EbayAesthetics29,82m setzt sich aus Fragmenten gefundener Phänomene zusammen, die die Künstlerin in dem einem hierfür speziell angelegten Archiv, dem sogenannten copyright_archive zusammengetragen hat. Um einer möglichen Vervielfältigung zum Verkauf angebotener Fotografien entgegenzuwirken und eine ungefähre Vorstellung der Größenverhältnisse zu vermitteln, versehen Ebay-Verkäufer ihre Ware oftmals mit Gebrauchsgegenständen. Als Repräsentanten genormter Maßvorstellungen überlagern so Zollstöcke, Feuerzeuge, Streichhölzer, Münzen, Kugelschreiber, Büroklammern und andere gängige, als auch unübliche Materialien Fotografien unbekannter Frauen und Interieurs. Finger erscheinen im Bild, ebenso wie Haftnotizen, Reste von Klebestreifen, Zeichnungen oder Kritzeleien mit den Worten „Vorschau“ und „Kopierschutz“. Durch die Störelemente scheinbar unbrauchbar gemacht, existieren diese Foto-Objekt-Arrangements innerhalb eines klar definierten Zeitfensters und verschwinden nach Auktionsende von der Benutzeroberfläche. 

Ausgehend von der Masse unabsichtlich absurd anmutender Kompositionen kehrt EbayAesthetics29,82m die kommerziell motivierten Darstellungsformen der Ware in eine Ästhetik für neue Bildfindungen um, bei der die Künstlerin gefundene Fotografien analysiert und sie methodisch an ihrem eigenen Körper anwendet. 

Ida Kammerlochs Arbeiten untersuchen aus dem Konsumentenzyklus extrahierte Bilder, Objekte, Medienereignisse und Mythen, die in installativen Findungen, Videos und re-enactments neu miteinander verknüpft werden. In ihrer künstlerisch vielfältigen Praxis, die intuitiv über Performance, Fotografie, Video, Archivierung und Installation hinweg arbeitet, dienen diese Artefakte als Werkzeuge bei der Zerlegung vorgefundener Darstellungskonventionen des Weiblichen. Kammerloch interessieren soziokulturelle Projektionsflächen, Grauzonen fotografischer Entstehungs- und Verwertungsprozesse, Akkumulations- und Archivierungspraktiken und narrative Gleichschaltungsverfahren. Geboren 1991 in Ischewsk, Russland, hat Ida Kammerloch Freie Kunst bei Prof. Eric Lanz an der Hochschule der Bildenden Künste Saar studiert. Vor der Krise befand sie sich im Rahmen eines DAAD Stipendiums in Moskau. Aktuell ist sie ins Saarland zurückgekehrt.

Ich fand es spannend, eine Ästhetik, die an sich gar keine Ästhetik ist, die kommerziell motiviert ist, zu nehmen, und die in Ästhetik umzuwandeln und zu verwenden für neue Bildfindung.
Ida Kammerloch